Manche Firmen sind einfach langsam. Adobe und Apple gehören definitiv dazu (böse Zungen würden jetzt behaupten, daß ein Blick in die Hardware des super-neuen MacBook Pro alles ist, was man zur Feststellung dieser Aussage braucht). Die Sony RX100 Mark 5 ist seit zwei Monaten in den USA erhältlich, Treiber für das RAW Format dieser Kamera (ARWv3.4) sind diesen Beiden jedoch leider bis heute zu Neuland. Das bedeutet, neben der Tatsache, daß man RAW Dateien der Sony in Lightroom nicht bearbeiten kann und auf JPG zurückgreifen muß, leider auch, daß die ARWs kein Thumbnail im Finder bekommen und als weiße Platzhalter angezeigt werden.

Windows-Benutzer haben’s da ein bisschen besser. Für die hat Sony einen Treiber bereitgestellt, der zumindest die Anzeige im Explorer ermöglicht. Adobe ist da aber auch nicht besser.

Zum Glück gibt es Drittprogramme und alternative Anbieter, die dieses Manko beheben. Ein paar habe ich mal ausprobiert, wenn Du die Anschaffung einer RX100 Mk5 planst, oder vielleicht schon eine hast und das passende Programm dazu suchst.

1. Affinity Photo

Als ob die fehlende Unterstützung neuerer Kameras, der Subscriptions-Knebelvertrag, und die unheimlichen RAM- und CPU-Anforderungen nicht schon genug wären, mit der Version 1.5 hat Serif den Nagel endgültig in den Sarg des Monsters aus dem Hause Adobe getrieben. Das ARW Format der RX100m5 ist natürlich voll unterstützt, das Develop-Modul des 49€ Grafikprogramms kann sogar die Verzerrungskorrektur Aufgrund der Objektivbrennweite vornehmen. Leider öffnet Affinity seine Dateien über den normalen Finder Dialog, wer also keine JPGs zur Orientierung aufgenommen hat, der muß sich mit Raten und Dateinamen durch weiße Rechtecke hangeln, da Apple die ARW Datei nicht einmal für das (standardisierte) eingebettete JPG analysiert.

2. Luminar

Macphun hat seine CK Programme unter einer Oberfläche zusammengefaßt, das Ganze “Luminar” genannt, und schnelle Updates versprochen. Zumindest beim Support der RX100m5 stimmt das, Luminar braucht zwar etwas (eta 40% länger als Affinity) um die Datei zu öffnen, aber auch hier kann Objektivverzerrung und RAW Einstellung schnell behoben und vorgenommen werden.

3. ON1 Photo RAW 2017

Offiziell ist das eine Vorabversion, also sei es ON1 verziehen, daß das Programm die Datei zwar offensichtlich lesen kann, sich aber (als erstes App in diesem Test) beim hauseigenen Datei-browser aufhängt wenn zu viele ARWs in einem Ordner sind. Wenn man das ARW geladen bekommt, endlich mal nicht per Blindflug, dann geht alles super schnell und klar.

4. Photo Mechanic 5

PM5 ist alt. Richtig, richtig, alt. Es ist die App, die von bärtigen Dipl.-Ing. mit Siemens-Hintergrund als calvinistische Selbstkasteiung und zum Tugendsignal der antiglanz-UI Faktion eingesetzt wird. Aber es funktioniert. Richtig, richtig, gut. Manchmal ist “alt == gut” eben doch wahr.

Photo Mechanic ist kein Editor sondern ein Browser und Akquise-Programm, welches hoch-konfigurierbar ist und die neuen ARWs nicht nur super schnell anzeigen kann, sondern sie auch schnell und ohne großen Terz an Affinity oder Luminar schicken, so daß man den Finder vollständig umgehen kann und damit nicht mehr blind fliegt.

5. Aurora HDR Pro (2016 und 2017)

Auch aus dem Hause Macphun (siehe Luminar, oben), jedoch in der 2016-Version deutlich älter, aber trotzdem in der Lage ARW Dateien zu öffnen. Leider können keine Previews beim Import angezeigt werden, der Merge/Map Prozess funktioniert trotzdem, und das Resultat kann bearbeitet werden. Ich mag den HDR Look nicht, benutzte Aurora jedoch bis vor Kurzem um Bracket-Merges zu machen. Seit Affinity 1.5, welches diese Merges auch kann (und dabei keinen umständlich zu entfernenden HDR-Look erzwingt), habe ich mich von Aurora fern gehalten. Schön ist’s trotzdem, daß es zumindest die ARWs laden kann.

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