Eigentlich hat mir der Hans-Jochen, der bei solchen Dingen immer Recht hat, weil er Psychologe ist, mal geraten, daß mir am Arsch vorbei gehen soll, was Andere so labern. Das war aber auf einem Treffen einer bekannten, jetzt ganz und gar nicht mehr relevanten, neuen Partei, und die Herren von der Mensrights Volksfront die ich damals so scheiße fand, sind jetzt alle bei der SPD und der Linken, wo sich jemand Anderes über sie aufregen darf.

Wenn dann aber ein Herr, der irgendwie auch mal Psychologie und Medizin studiert hat, Scheiße labert, dann geht mich das schon was an. Und wenn der Herr dann auch noch Millionen mit dem Gelaber scheffelt, und ungestört und ungestraft im Fernsehen den Eltern Angst machen mag, dann doppelt. Doppelt fällt immer noch unter die Hans-Jochen Doktrin, aber dreifach… dreifach passiert dann, wenn ich meinen Vortrag halte, und mir jemand mit „aber der Spitzer hat doch gesagt“ zehn Minuten Aufklärungsarbeit einbrockt.

Spitzer behauptet, gerne und oft, daß Laptops, Tablets, und Handys genau die Dinge sind, die unsere Kinder dumm, dement, und depressiv machen. Oder, genauer, daß die alte Lehre, mit dem Zollstock auf die Finger und Pomade in den Haaren, aus Kindern echte Menschen machet. Was, wenn man Spitzers Alter berücksichtigt, genau die Erziehung sein sollte, die er genossen hat. Und schaut Euch mal an, was aus dem geworden ist…

Ich muß mir da gar keine große Arbeit machen. Andere haben das schon getan und des Spitzer’s Behauptungen über angebliche Studien (die er bis heute übrigens schuldig bleibt) eine echte Meta-Analyse entgegengestellt. Und selbst wenn man Spitzer’s Behauptungen glauben mag, weil’s gerade wieder so in und hip ist, gegen das Internet und Online Medien zu sein, dann gibts da auch was: Selbst der Herr Dr. Kraut, auf den sich der Spitzer bezieht, findet in seiner eigenen Meta-Analyse keinen Zusammenhang zwischen den existierenden und erwiesenen Änderungen im Interaktionsverhalten und neurologischen Veränderungen oder gar Verkümmerung. Mehr noch, Kraut findet das Gegenteil.

For instance, studies using panels indicate that Internet use increases social interaction with friends more than interaction in other types of relationships The Internet and Social Interaction: A Meta-analysis and Critique of Studies, 1995-2003
Fasst man die Ergebnisse der vorliegenden Studien zusammen, so findet sich kein Hinweis auf weniger gesellschaftliches oder politisches Engagement bei erhöhter Internetnutzung, im Gegenteil, das Vorzeichen der aggregierten Zusammenhänge deutet darauf hin, dass Internetnutzung eher mit mehr als mit weniger Engagement einhergeht.Digitale Demenz? Mythen und wissenschaftliche Befundlage zur Auswirkung von Internetnutzung

Spitzer beruft sich nicht auf Quellen. Spitzer ist Mediziner und Psychologe, das muß reichen. Bin ich auch, und es reicht nicht. Ganz und gar nicht. Ich bin durchaus in der Lage Müll zu erzählen. Wollen wir’s mal ausprobieren? Okiedokie, here goes: „Wer Bücher, leicht angebraten und mit etwas Knoblauch, einmal in der Woche zum Frühstück zu sich nimmt, der ist gegen Digitale Demenz gefeit.“ Man darf mich, mit Quellenangabe und im Kontext, zitieren.

Die Bildungsforschung muß sich, meines Erachtens nach, unbedingt mit den Neurowissenschaften befassen. Sie muß sich auch, kritisch, mit den neuen Medien, und wo es Sinn macht, diese zu verwenden, auseinandersetzen. Didaktik alleine kann, muß aber nicht, diese Entwicklung steuern. Es wäre nur durchaus angebracht, wenn die Neurowissenschaften durch Menschen vertreten sind, die nicht mit ihren eigenen Angststörungen und Neurosen kämpfen, das Neue aus Prinzip ablehnen, und sich dadurch zu verzerrten und argumentativ fehlerhaften Darstellungen der neurologischen Realität hinreißen lassen.