Sechs Regeln für eine bessere BarCamp Session

Eine Zusammenfassung der “Build A Better Session” Session auf dem BarCamp Camp London 2015.

Bessere Sessions sind der zweitmeist genannte Wunsch der Befragten in unserer 2017 Umfrage. Ganz vorne liegen “mehr Vielfalt”, “längere Sessions”, und “mehr Q&A, auch auf dem ‘Hallway Track‘ zwischen Sessions”.

Die folgenden 6 “Regeln” wurden aus der “Urbrefragung”, die damals spontan in London durgeführt wurde, destilliert und an einem Abend grob zusammengestellt. Am Sonntag wurden diese dann in einer Session besprochen und verbessert/erweitert.

1. Kein Einheitsbrei

Wer “BarCamp” denkt, der denkt mehr oder weniger an eines von sechs oder sieben Themen, die garantiert präsentiert werden. Ohne den Altehrwürdigen zu nahe treten zu wollen, die diese Themen abdecken, bietet es sich an, sich woanders hin zu begeben. Essen, Wandern, und Twitter/Instagram macht fast Jeder. Ich habe mich seit 2016 (mit Spaß (und Spaß = Erfolg), denke ich) mit Sessions zum Thema “Sex, Drugs, and Brains” auf BarCamps vorgestellt, und werde oft darauf angesprochen, dass das doch “etwas Anderes” sei, und deshalb ein willkommener Ausbruch aus dem “WordPress/Typo3/Twitter” Tag. Das heißt natürlich nicht, dass Besucher nicht, und vielleicht sogar gerade wegen, dieser Themen kommen, aber es bietet sich an, sich einmal über den Camp-Tellerrand hinaus zu bewegen.

Eine unvollständige Liste, lustiger, guter, witziger, Sessions, die ich in 2017 sehen durfte, als Anregung:

  • Dein Genom
  • Warum ich tote Ratten fotografiere
  • Bienenzucht für Anfänger

2. Auch kein RTL2 Am Abend (sehen Sie nun zum wiederholten Male…)

Seit der Befragung 2016, in welcher Teilnehmer weniger “wiederholte Sessions” wünschten, versuche ich für jedes BarCamp eine neue, individuelle, Session vorzubereiten. Wenn sie nicht angenommen wird, dann ist das OK. Ich verwende sie halt beim nächsten Mal, und nach zwei Jahren denke ich dass man eine aufbereitete Version auch einsetzen kann. Aber im Allgemeinen ist Neues Trumpf. Unsere Befragung zeigt, dass über 40% aller BarCamp Besucher mehr als ein BarCamp im Jahr besuchen und auch aus der eigenen Region heraus nach schönen Camps suchen. Ich will weder als one-Trick-Pony noch als erratischer Tunichtgut gesehen werden, also konzentriere ich mich auf die Psychologie und Neurologie/Neurobiologie des Gehirns, versuche aber jedes Mal etwas zu finden, das auch in Qi kommen könnte. Seit 2016 habe ich mich unter Anderem mit Zombies, besserem Lernen, DIY-EEG, und Black Mirror auseinandergesetzt. BarCamps sollen ja auch keine Vortragsreihen sein, sondern Lernen auf Augenhöhe, und was ist besser als sich mit einem neuen Thema zu beschäftigen um es dann als Session anzubieten.

3. Weniger ist Mehr

Ich schreibe diese hypokritischen Zeilen am Vortag des BarCamp Heilbronn, auf dem ich (ganz untypisch) eine 31-Slide Präsentation anbieten werde. Laut unserer Befragung 2015 sind sechs bis acht Slides am Besten, mehr reden, mehr Interaktion, weniger Präsentieren. Das wird auch von der aktuellen Forschung zum Thema Aufmerksamkeit und Interaktion gestützt, bei dem Probanden nach 7 bis 9 Slides nicht mehr das Gefühl der Augenhöhe hatten und auch sehr viel weniger Aufmerksam wurden.

4. Multimedia < Brains

Multimedial schön gestaltete Slides sind von Besuchern als weniger wichtig als flüssige Vortragsweise und witzige Präsentation beziffert worden. Nur 4 Prozent der Befragten 2017 wünschten sich bessere Slides, 38 Prozent wollten mehr Interaktion, mehr Spaß, und mehr “mitreißende Vorträge”. Ganz besonders unbeliebt sind anscheinend Sessions, bei der der Presenter in den Laptop starrt und coded oder vorließt, Augenkontakt zum Sessionsaal ist wichtig.

5. Sei “Anders”

Das ist weniger ein Verbesserungsvorschlag als ein Aufruf. Die BarCamps sind immer noch, zu fast 70%, weiße Männer zwischen 20 und 50 Jahren. Frauen, Minderheiten, die “Anderen” sind unterrepräsentiert. Sei anders, und wenn Du anders bist, dann würde nicht nur ich mich freuen, eine Session von Dir zu sehen.

6. Bleib zwischen den Linien

Das ursprüngliche Camp Konzept (alte CCC, die ersten BarCamps in den USA) der unbefristeten Session ist leider in DE nicht gewünscht. Was würden wir denn, als Schüler des deutschen Systems, ohne unseren Stundenplan machen? Da wir ihn aber leider haben, ist es gute Form, rechtzeitig Schluß zu machen, und pünktlich anzufangen. Nur 18 Prozent der Befragten 2016 gaben an, dass die Sessionzeiten ihres Erachtens nach “gut bis sehr gut” eingehalten wurden.

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