Von Konferenz bis BarCamp in vier (schlechten) Bildern

Eine progressive Liste von Konferenzen bis BarCamps. Durch diese progressiven Änderungen wird sichergestellt, dass für Jeden etwas dabei ist, von Menschen die sich gerne lose vereinen bis hin zu Menschen, die viel Struktur brauchen.

Natürlich sind dies nicht die Realitäten sondern die, eigentlich, erwünschten Strukturen. Auf Konferenzen kann es ebenso einfach zu Hallway Tracks kommen, wie eine Orga das "organische" auf *Camps überlagern kann. Es kommt auch immer drauf an, wie wenig Kontrolle oder wie viel MachtKontrolle die Veranstaltenden ausüben müssen um glücklich zu sein.



Auf Konferenzen sprechen geladene (und oft bezahlte) Gäste zu einem angemeldeten (und zahlenden) Publikum. Es gibt wenig bis keine Vermischung zwischen den Anbietern von Informationen und den Konsumenten. Auch innerhalb der Konsumenten wird wenig bis kaum kommuniziert, ein Stundenplan bestimmt, wer wann wo spricht.

Beispiele:

  • ETech
  • South by SouthWest
  • Chaos Communications Congress

Finanzierung und Rolle der Sponsoren:

Vorabanmeldung, welche nur die Bereitstellung von Vortragenden verspricht. Oft wird mit diesen Vortragenden geworben. Sponsoren bekommen große Werbeflächen, Speaker Slots, und andere Perks.

Auf Unkonferenzen bezahlen alle Anwesenden, manche bereiten einen Vortrag, eine Session, oder eine Diskussionsrunde vor. Diese Sessions werden am ersten Tag oder jeden Morgen angemeldet und dann in einen Stundenplan eingetragen. Starke Überlappungen zwischen Hallway (Alle) und Session (einige), Vortragende sind auch auf den Sessions anderer Vortragenden, dann als Zuhörer.

Beispiele:

  • MediaConf
  • SxSW Sidepanels
  • OpenForum
  • SciTechDays
  • die meisten deutschen "BarCamps"

Finanzierung und Rolle der Sponsoren:

Vorabanmeldung. Sponsoren bekommen kleinere Werbeflächen, Präsenzpunkte an denen man sie ansprechen kann, werden bei der Intro Session erwähnt, etc.

Eigentlich waren Camps ja wirklich zum campieren gedacht, man blieb also über mehrere Tage zusammen. Bei den Urvätern (Chaos Communications Camp, FooCamp, old style BarCamps) ist das immer noch der Fall. Bei anderen wird versucht, den "Camp Spirit" aufrecht zu erhalten. Vortragende melden sich spontan, ein "Campfire" wird gebildet, man sitzt also im Kreis (zumindest im Sinne eines Kreises), eine Person übernimmt die Leitung. Geht diese Person, endet die Session.

Auch innerhalb der Sessions ist der Zuhörer immer ein Sprecher und die Sprechenden sind auch Zuhörer.

Hier gibt es keinen Stundenplan sondern eine Liste von "happening now" Campfires (siehe CampfireList unten), welche so lange bestehen wie Interesse besteht. "The law of feet" besteht hier wie auch auf einer Unkonferenz, man kann also jederzeit kommen und gehen.

Beispiele:

  • FooCamps
  • Chaos Communications Camp Hallway Tracks
  • WordCamp Hallways Tracks
  • Web Mondays (USA)
  • Wiki Wednesdays

Finanzierung und Rolle der Sponsoren:

Vorabanmeldung, Spenden (auch Sach-). Sponsoren sind auch nur Teilnehmer, werden auf dem CampWiki erwähnt, durch die dynamische Natur des Camps sind diese oft besser sichtbar als auf traditionellen Konferenzen und Unkonferenzen. Beispiel: Instagram sponsort ein Camp, ruft dynamisch zu einem API Hackathon auf, zeigt den Code welcher eigene Garbage Collection in Python macht, etc.

Auf BarCamps, die als Antithese zu den *Camps gedacht waren, gibt es keine Vortragenden. Man trifft sich auf Augenhöhe, sucht neue Menschen in der Masse auf, teilt sich mit. Campfires bilden sich spontan und werden auf einer Campfire Liste (eigentlich CampfireList in einem Wiki plus per Wäscheklammer und Zettel) vermerkt. Campfires bleiben bestehen, bis der Letzte keinen Bock mehr hat und den Zettel von der Wäscheklammer nimmt ("last one turns off the lights"). Manchmal verbinden sich Campfires, manchmal trennen sie sich in kleinere Gruppen. Zettel werden zusammengehängt oder abgehängt.

Die Finanzierung findet über Vorab-Anmeldungen, freiwillige Spenden, und der Tatsache, dass jeder Teilnehmer auch Orga und Helper ist, statt. Essen kann bestellt, gesponsored und bereitgestellt, oder auswärts eingenommen werden. Idealerweise geht man mit drei bis fünf neuen Bekanntschaften essen, ob innerhalb des Camps oder auswärts. "Pizza Run" oder "Pizza Order" werden dann auch als Zettel an der CampfireList angehängt. Jobwall, etc.

Beispiele:

  • Ur-BarCamps, noch viele BarCamps in den USA
  • Die meisten BarCamps im Silicon Valley
  • YarnCamp New York
  • WhoCamp Chicago
  • LitCamp Austin

Finanzierung und Rolle der Sponsoren:

Vor- und während dem Camp Spenden (auch Sach-). Sponsoren sind auch nur Teilnehmer, werden auf dem CampWiki erwähnt, genau wie auf anderen Camps.


Cite this article as: Luster, M., "Von Konferenz bis BarCamp in vier (schlechten) Bildern," in mikka.blog, March 13, 2018, https://mikka.is/von-konferenz-bis-barcamp-in-vier-schlechten-bildern/.

15 Comments

  1. Hmm, schwierisch. Irgendwo müsste da noch Open Space rein, das ein bisschen so läuft (wenn ich recht verstehe) wie du Barcamps beschreibst. *Camp würde ich auch ein bisschen anders sehen, zumal wie in D. Ich kenne allerdings außerhalb von D nur das Barcamp Alsace und das Barcamp Zürich bzw dessen Vorgänger das wordCamp (?), also (wordpress camp).
    Da das erste BC n D von Chris Messina und Tara Hunt mitbegleitet war und ich mich primär an dem orientiere (bzw an der Barcamppraxis von Franztoo, der die ersten paar Camps nach Berlin organisierte (Köln, Nürnberg, München…) seh ich die Struktur, wie sie sich in D etwabliert hat so:

    Raumsponsor bzw Sponsoren für Raumkosten
    Sponsoren für Catering etc.
    beide mit entsprechender Sichtbarkeit durch Sponsor-Wall, Jobwall, Logos auf Site, Dank bei Begrüßung, Recht auf Werbematerialauslage/Aktionen/Ministände für Geld und Sachsponsoren/Medienparter (letzere ohne Cashflow)
    möglichst niedrige Kosten für TN (Dass das Camp den zahlenden TN ‘gehört’ finde ich gar nicht SO schlecht, wer nicht zahlen kann, den bitte ich, mit mir zu reden)
    Vorstellungsrunde und Sessionplanung nach Barcamp.org-Regeln
    Scheduling, Sessionablauf und Tourist etc. Regularien nach barcamp.org-Regeln (schedued nur im abendprogramm, dorthin würde ICH auch Keynotes etc. legen)
    Socializing im Umfeld von Frühstück bis Werwolf/PPt-Karaoke ist Programmteil
    Lösung von IT-lastigen Themen (FOO?)
    Augenhöhe, “Sessionkapern” möglich
    Butterflyregeln (Leute _> Flur-Sessions etc.) immer ne Option, muss man nicht sagen
    Gleichgewicht von Sessions / Socializing / Networking (jeder kann selbst gewichten)
    Orgateam existiert und s chafft INfrastruktur/Merketing
    alle helfen
    kommunales dokumentieren 8Blog)
    cool ist, wenn man gemeinsam übernachten oder gar am Konferenzort pennen kann (fühl ich mich langsam alt für. hab ich aber in Nürnberg und Furtwangen auch schon gemacht, ist oft versicherugstechnisch schwierig)

    Was ich kritisch sehe:
    – wer 30 EUR bezahlt hat, denkt, er müsse jetzt nicht mehr helfen, Checkin besetzen etc.. (werde ich adressieren in KN)
    – you do talk (before) about Barcamp, you do blog (afterwards) about barcamp -> kommt außer Mode. GROSSES PROBLEM.
    – Dinge, die Barcamp benamst sind one es auch nur im Ansatz zu sein und die idR gleichzeitig recht teuer sind

    IMO: XYZCamp mögen sich Camps nennen, die das
    a) aus kommunikativen Gründen sinnvoll finden aber Barcamps sind (dann gerne Flare etc.)
    b) die eben Camps und nicht Barcamps im obigen sinne sind, also mit teilweise fixem Programm und hohem Eintritt, sie mögen auch die Flare als Logo vermeiden und sagen, dass sie Programmteile angelehnt an die BC-Methodik organisieren

    SEHR klassische ChaosBarcamps mit echtem “Camp”(ing)charakter würde ich anders nennen. GeekUp oder sowas.

    1. Wie ich schon in dem Tweet sagte, Chris ist einer von sechs. Andy (Termie) bloggte damals das Folgende (http://term.ie/blog/bar-camp/):

      “Meet BAR Camp, an open, welcoming, once-a-year event for geeks to camp out for a couple days with wifi and smash their brains together. It’s about love and geekery and having a focal point for great ideas, like SHDH more in-tents (GET IT?!), like FOO but open.”

      Also “wie Super Happy Dev House in Zelten” und “wie FOO, aber offen”, d.h. keine Einladungen oder Gästelisten.

      Weder SDHD, noch Foo, hatten Speaker Walls oder Sessionplanung.

      BarCamps brauchen auch, wie Chris schreibt, ein Wiki, eine S3 Box, und einen BackChannel (normalerweise IRC).

      International “BarCamps” sollten nie BarCamps genannt werden, weil “Bar” eben für “Bay Area Rejects” steht. Stattdessen war “iCamps” die Idee, und die Camp- und Orga-Sprache sollte Englisch sein (Guidelines for organizing an International Barcamp (aka iCamp): The organizing language of the barcamp is English (newsletters, wiki, etc.), however, if the organization team is monolingual there is no reason to do the background organizing in English…) siehe: http://barcamp.org/w/page/404135/OrganizeALocalBarCamp

      Es ist auch wichtig zu verstehen, dass BarCamps + Sessionplanung eher nicht die Regel waren, auch wenn CStJ damals 2006 die Unkonferenz-Regeln in’s BarCamp Wiki kopiert hat: http://barcamp.org/w/page/405512/WhatToExpect?rev=1161906558

      Das ist auch das Jahr, in dem Björn Seibert (http://bs-markup.de/blog/archiv/2006/07/31/grundregeln-fur-besseres-xhtml/) seine “Grundregeln für ein besseres BarCamp” in Deutschland schrieb, und mit der Begründung, dass Chaos und Unordnung, sowie ein Ausschluss von Menschen, die eine Konferenz wollten, aber auf dem Camp sein wollten, dazu führen sollte, dass man Checkins macht und eine Vorstellungsrunde. Auch damals, und bis (glaube ich 2010) war diese Runde nicht Orga-nisiert, sondern einfach ein Zusammensitzen ohne Moderator, in dem man sich vorstellte und unterhielt.

      Dass ich in einen Raum gehen muss, für 40 Minuten Sponsoren und “was ist ein BarCamp” plus “und hier Organisatorisches” (statt einem Zettel “Organise at http://domain/wiki” and der Tür) und so weiter gemacht wird, das ist eher neu. Daher ja auch mein Vorschlag, dass Jemand eine Campfire Session (also alle sitzen im Kreis oder lose zusammen und stellen sich vor) als erste Session planen sollte, die dann auch alleine steht, also nicht konkurriert. Organisch statt Orga.

  1. Beate Mader liked this Article on twitter.com.

  2. Spannende Gedanken und viel Hintergrundwissen zu Barcamps . Danke für die Einblicke auf deinem Blog. Hab noch nie gewisse Programmpunkte auf Barcamps hinterfragt. Bin jetzt neugierig auf so ein Ur-Camp

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  13. Aus aktuellem Anlass…
    psst @Kanzlei_Flaemig

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