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Ich bin am 23. Februar in Frankfurt im Museum für Kommunikation beim Retroblah, am 11. und 12. März in München auf dem BarCamp München (#bcmuc), und am 31. März bis 2. April in Konstanz auf dem BarCamp Bodensee (#bcbs)

Deutsche BarCamps sind eine wilde Ansammlung von Themen. Vor wenigen Wochen durfte ich Prof. Dr. Antje Krause, Professorin für Bioinformatik, bei zwei Vorträgen über Genetik zuhören. Wenig später ging’s dann über tote Ratten, dann über Steampunk, und irgendwann kam mein Vortrag über Zombies und Zombie Preparedness.

Zombies… die gibt’s doch nur im Film, oder? Das sind so’ne Sachen die von den selben Menschen, die „sapiosexuell“ auf ihrem Datingprofil haben, „Breaking Bad“ für essentielles Wissen halten, und ihre Anime-Sammlung zwischen dem originalen Big Bang Theory Coffee Mug („Bazingaaa“) und der 1:18 vollmetall Replik der Tardis aufbewahren, richtig?

Image: @NeosLove.

Ja, und nein. Zombies, wie sie’s im Film gibt, sind sehr unwahrscheinlich. Selbst der komplexeste Parasit hat Schwierigkeiten, so schnell und so tief somatische und psychologische Veränderungen hervorzurufen. Das totale Hooking des ZNS und PNS ist eine Meisterleistung, die (glücklicherweise) kein bekannter Virus, Bazillus, Parasit, oder mensch- oder naturbasierter Stoff bisher fertig gebracht hat. Während Einzelteile des Zombiismus, von Schmerzunempfindlichkeit, Stärke, Aggression, und schlurfendem Gang bis hin zur Übertragung durch Biss oder anderen Wunden, durchaus vorkommen und auch regelmäßig Menschen in Notaufnahmen oder die Pathologie schicken, das ganze Paket ist Fiktion.

Jetzt hat das Illinois General Assembly „Zombie Preparedness Month“ für Oktober 2017 beschlossen (danke an die oben Genannte Antje Krause für den Link/Hinweis). Das scheint komisch, ist es aber nicht.

Meine Zombie/Zombiismus Vorträge, genau wie der Preparedness Month in Illinois, dienen einer guten Sache: Zombies sind sexier als durch eine Naturkatastrophe verseuchtes Leitungswasser. Sowas kann ja nicht passieren, oder? Kann es! Und im Gegensatz zu Zombies, die eher unwahrscheinlich sind, ist so eine Katastrophe zu unseren Lebzeiten fast schon eine garantierte Sache. Erdbeben, Flugzeugabstürze, Hurrikane, Großbrände, oder auch der Ausbruch einer viralen oder parasitären Epidemie, das sind Dinge mit denen man sich, auch im warmen und sicheren Häusle in good old Germany, auseinandersetzen muß.

Zombies dann als Vehikel für den wahrhaft wahrscheinlichen Weltuntergang? Klar, warum nicht? Zombies sind lächerlich, witzig, und nicht ganz so schauerlich wie die Möglichkeit, daß wir alle an einem terroristischen Anschlag, der 250 Gramm Plutonium in die Wasserversorgung einer Großstadt einflößt, zu Grunde gehen.

Zombies sind sexy (ich sagte das schon), weil sie unwahrscheinlich sind, und damit spielerisch. Mit diesem spielerischen Element lässt sich’s gut … spielen, halt. Und das tut Illinois, wenn es die Zombies als Aufhänger für einen monatlangen Event, welcher sich einfach besser anhört als „Disaster Preparedness Month“, verwendet. Mit „Disaster“ bekommt man die Depression Era Leute, die Alten, die, die im Katastrophenfall eher Hilfe brauchen als sie anbieten können. Mach‘ eine Zombie Apocalypse Übung daraus, und schon kommen die Jüngeren. Vor Zombies haben Wenige Angst, die sind Fiktion (zumindest in der Human-Neurologie, es gibt da so ein paar Sachen im Tierreich…), und damit kann man arbeiten.

Photo © http://www.flickr.com/photos/frexxxenstein/ und webmontag Frankfurt.

Ich mach‘ das halt auch. Mein Zombie Preparedness Kurs ist ein erweiterter Erste Hilfe Kurs (gibt sogar den großen EH Schein ab Juni wieder), ich halte Vorträge über Zombies und in Wirklichkeit sind sie Einführungen in die Neuropsychologie und Neurovirologie, und der Zombie und Katzen Vortrag ist ein (sehr) dünn verschleierter Werbevortrag für das freiwillige Engagement im Katastrophenschutz.

Viele versuchen mit der Angst vor Katastrophen Geld zu verdienen. Noch mehr tun dieses in allen Sachen Hirn und Psychologie. Mit Zombies kann ich spielerisch, ohne etwas verkaufen1 zu wollen, diese Themen ansprechen. Nachdem selbst der erweiterte Erste Hilfe Kurs für Teilnehmer kostenlos ist2, verbinde ich hier einfach Spaß und Lernen in einem witzigen, spannenden, und zeitgemäßen Rahmen, und hoffe daß, wenn mal der Tag kommt, Jeder meiner Teilnehmer besser in der Lage ist, Erste Hilfe zu leisten oder auf den Katastrophenfall besser vorbereitet ist.

Footnotes

  1. Ok, ich versuche für den Katastrophenschutz zu werben, das gebe ich zu
  2. Ich biete auch bezahlte Betriebssanitäter- und EH-Kurse an, aber die sind eher traditionell

2 Comments on “Über Zombies und Hirne reden”

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