Aus einem taz Artikel:

Wer bei Terminvergabeplattformen wie Doctolib, Jameda oder Arztdirekt bereits einmal Termine gebucht hat, weiß: Wer probeweise das Kästchen „privat“ anklickt, bekommt meist sehr viel frühere Terminoptionen angeboten. „Ich finde es skandalös, wenn Ärztinnen und Ärzte, und das kommt leider immer wieder vor, Privatversicherte bevorzugen“, so Stoff-Ahnis. Und ergänzt, dass es ohne die gesetzliche Krankenversicherung keine flächendeckende medizinische Infrastruktur geben würde, um die Privatversicherten zu versorgen.

Das ist so absoluter Blödsinn. Tatsache ist, dass Dinge wie die Lauterbach-Fallpauschalen und Regress-Anfragen der GKV, die Ärzt:innen absolut unnötig einschränken und Patienten aktiv verletzen, bei den Privaten nicht vorhanden sind.

Besonders jetzt, in der kalten Zeit, sind Praxen dermaßen überlastet mit Vertretungen und mehr Kranken, dass die von den GKV bereitgestellten Gelder pro Praxis in der Realität schon am 11. oder 13. eines Monats vollständig aufgebraucht sind. Spätestens ab dem 20. eines Monats arbeiten Praxen kostenlos. Ohne Privatpatient:innen, die an diese Regresse und Deckelungen nicht gebunden sind, würde das ohnehin durch Stress, Arbeitsbelastung, und nicht kostendeckenden Leistungen schrumpfende Land- und Hausarztsystem zusammenbrechen.

Die PKV setzen sich (absolut aus Eigeninteresse, keine Frage) sehr viel stärker für Präventivmedizin ein, unterstützen und belohnen Ärzt:innen sogar, wenn Dinge wie Impfungen oder Schulungen angeboten werden.

Auch Gesundheitshilfsmittel wie CGM bezahlen sie. Die GKV rechnen akute und chronische Therapien für sie steuertechnisch besser ab (auch eine Lauterbach-Idee), und leisten deshalb nur halbherzig Präventivmedizin. Das schadet dem Land, dem Gesundheitswesen, den Praxen, und den Kranken. So könnten die GKV zum Beispiel Durchschnittskosten von 1000€ im Monat bei T2 Diabetikern vermeiden, wenn sie wie die Privaten ein CGM (Continuous Glucose Monitor) übernehmen würden (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11199067/). Studien zeigen auch, dass früher Einsatz von CGM und Wearables schweren Diabetes bei mehr als 45% aller Betroffenen verhindern könnte. Wegen 120€ im Monat schieben die GKV Kosten in größerer Höhe auf das Sozialsystem und die Steuer- und Beitragszahler:innen[2]. Trotzdem bezahlt die GKV GCM erst dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, und Insulin ständig supplementiert werden muss.

Praxen “bevorzugen” PKV nicht, sie kämpfen in einem absolut beschissenen GKV-System um das Überleben (die Mär vom superreichen Arzt ist genau das), das Praxensterben ist real, und halten sich, wie alle Ertrinkende, an dem einzigen Objekt fest, dass sie vor dem Ableben bewahrt.

[1] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11133133/ - https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39884899/ - https://www.jmcp.org/doi/10.18553/jmcp.2024.24025 - https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11443977/

[2] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11133133/ - “Total diabetes-related hospitalization costs fell by $341 PPPM (any-position diabetes code) and $330 PPPM (1st/2nd-position code). Associated with fewer people having ≥1 ED visit (−30%) and ≥1 inpatient visit (−41.5%)”